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Chronik

Die hiesige Kirche wurde im Jahre des Heils Eintausendachthundertvierundneunzig (1894) erbaut. Die Grundsteinlegung geschah am 6. Juli mittags um 13 Uhr ohne jegliche Feierlichkeit.
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Sie ist auf der selben wieder erbaut worden, wo die Alte gestanden hat, aber in schöner und größerer Form. Der Bau wurde vom Mauermeister Förster in Calbe an der Saale und vom Zimmermeister Hanke in Eickendorf, unter Aufsicht des Regierung- und Kreisbaumeisters Creutzfeld in Groß Salze ausgeführt.
 
Nach dem der Bau soweit vorgeschritten war, konnte die Kirche am 19.11. desselben Jahres gerichtet werden. Das Richtfest verlief in feierlicher Weise, da am genannten Tage die feierliche Grundsteinlegung vor sich ging, welche, wie schon zu Anfang erwähnt, ohne jegliche Feierlichkeiten geschehen war.
 
Der Grundstein befindet sich unter dem Altar und birgt eine kupferne Kapsel in sich, welche eine Chronik enthält, die aber so kurz abgefasst ist, dass sie den Nachkommen wenig erzählen kann. Am Abend des Richtfestes war sämtlichen Arbeitern der Kirche ein Essen im Saal des damaligen Gasthofpächters Wilhelm Diesing bereitet.
 
Die Namen derer, welche seiner Zeit von den genannten Meistern beschäftigt wurden,
 

sind folgende:

 

  • Polier August Schlemmermeier aus Großmühlingen
  • Maurer Bruno Kleinefeld aus Großmühlingen
  • Maurer Friedrich Kleinefeld aus Großmühlingen
  • Maurer Christian Sauerzweig aus Großmühlingen
  • Maurer August Heide aus Großmühlingen


Aus unserem Dorf waren beschäftigt die Maurer Christian Preuße, Wilhelm Harnak, Karl Sauerszweig und der Lehrling Gustav Preuße. Als Handlanger fungierten Reinhold Schmidt, Christian Bethge und August Bethge. Von den Zimmerleuten sind folgende Namen zu erwähnen:


  • Heinrich Müller aus Eickendorf
  • Christian Sauerzweig aus Eickendorf
  • Friedrich Schulze aus Eickendorf
  • Friedrich Ebeling aus Groß Mühlingen
  • Andreas Schumann aus Klein Mühlingen
  • Andreas Trock aus Klein Mühlingen


Sämtliche Maurer und Zimmerleute bekamen täglich 2.80 MK ( Mark ) Arbeitslohn für zehnstündiger Arbeitszeit. Das Aufstellen einer neuen Orgel ist dem Orgelbaumeister Troch in Neuhaldensleben übertragen worden.
 
Die Dachdeckerarbeiten wurden von dem Dachdeckermeister Dränkner aus Calbe an der Saale ausgeführt. Die eigentliche Turmspitze ist von dem Schlossermeister Michelmann in Förderstedt angefertigt.
 
Bis jetzt haben alle Meister, soweit es erforderlich war, ihre Arbeit zur vollkommenden Zufriedenheit der hiesigen Einwohner ausgeführt und so Gott will, wird die Kirche im Juli des nächsten Jahres, also 1895, ihrem Dienste übergeben werden können.

Die sämtlichen Kirchenbaukosten sind auf 28.000 MK veranschlagt, für welche Summe auch der Bau fertiggestellt worden ist.

Die Mauersteine lieferte die Firma Schwenke & Segger und die Dampfziegelei von Eckstein, beide in Calbe an der Saale. Während der Zeit von Juli 1894 bis Juli 1895 wurde der Gottesdienst in der hiesigen Schule abgehalten.
 
Der Inhaber der jetzigen Schulstelle ist der Kantor, Küster, Lehrer und Organist Adolf Oerlicke geboren am 05. März 1864 zu Flechtingen, Kreis Gardelegen, verheiratet mit Luise Henkel aus Wieglitz, Kreis Gardelegen.

Er hat zur Zeit 54 Kinder zu unterrichten und jeden Sonntag Predigt zu lesen, wofür ihm nicht einen Pfennig gezahlt wird. Sein Gehalt beträgt 1170 MK, gewiss nicht zuviel. Der jetzige Schulvorstand besteht aus folgenden Mitgliedern.

Die Chronik wurde bei der Sanierung des Kirchturmes im Turmknaufkopf am 16.12.1998 gefunden.


Das Original befindet sich im Stadtarchiv Schönebeck.
Die Abschrift verfasste Frau Rosemarie Bertram, geb. Koch.

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Die Entwicklung der Bauernwirtschaften

 

Der Zuckerrübenanbau war zunächst eine sogenannte Spatenkultur, der Boden musste tiefer als bis dahin üblich kultiviert werden. Die mit dem Rüben- und auch Kartoffelanbau verbundene Tiefkultur verbesserte die Bodenqualität. Keine Frucht war besser geeignet als die Rübe, das Feld vom Unkraut zu befreien, zumal sie ja faktisch groß gehackt werden musste. Rüben- und Kartoffelanbau erforderten eine deutlich verbesserte Düngung, die dann auch nachfolgenden Feldfrüchten zugute kam. Solange man dem Drang nach Monokultur widerstand, die Düngung verbesserte und die Fruchtfolge einhielt, bestand keine Gefahr der Erschöpfung des Bodens, sondern wurde im Gegenteil eine Verbesserung erreicht. Schon die Rübenernte lieferte so nebenbei in Form der Blätter und der abgestoßenen Köpfe hochwertiges Viehfutter. Auch die Rückstände der Rübenverarbeitung verbesserten die Futtergrundlage. Der Zuckerrübenanbau war also sehr arbeitsintensiv, warf aber erhebliche Gewinne ab. Sie bildeten die Grundlage für eine rege Bautätigkeit in Zens. Die damals gebauten Wohnhäuser der Voll- und Halbspännerwirtschaften (im Volksmund Zuckerrübenpaläste genannt) sind heute noch ein Zeugnis dafür. Das Brösel`sche Vollspännergut bestand zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus einem Wohnhaus, zwei Ställen einem Schuppen und einer Scheune. In der zweiten Hälfte standen dort bereits neben dem neu erbauten Wohnhaus ein Pferdestall, ein Geschirrstall, ein Kuh- und Schafstall, ein Entenstall, eine Scheune und ein Schuppen. In der Mitte des Hofes stand wie damals üblich ein Taubenhaus. Ein gebratenes Täubchen war etwas für Feinschmecker. Außerdem gehörte noch ein weiteres Wohnhaus mit einem Stall dazu.

Bauernwirtschaft früher

 

Das Landhandwerk in Zens

Am Anfang des 19. Jahrhunderts war es noch üblich, dass viele der zum Leben benötigten Gebrauchs- und Verbrauchsgüter selbst hergestellt wurden. Das betraf nicht nur Lebensmittel das Schlachten von Kleintieren, das Brotbacken, das Buttern, die Herstellung von Pflaumenmus, das Einwecken u.ä. – sondern auch das Spinnen, Körbe flechten, die Beschaffung von Brennholz usw. Der Naturalienaustausch trug erheblich zur Bedürfnisbefriedigung bei. Der Handel steckte noch in seinen Anfängen. Ab 1835 versuchten Höker ihren Lebensunterhalt mit Handel zu verdienen. Sie konnten von vielfältiger und differenzierter gewordenen Bedürfnissen ausgehen, zu deren Befriedigung das Handwerk und die Eigenherstellung nicht mehr in der Lage waren. Auf der Basis langsam wachsender Geldeinkommen entwickelte sich eine kaufkräftige Nachfrage. Erste Höker in Zens waren Andreas Christian Sonnenberg und Johann David Christian Willmer.

In Zens hatte sich damals bereits ein außerordentlich differenziertes Landhandwerk entwickelt.

Die Handwerker in Zens konnten unter der Voraussetzung der Beschaffung ihrer wichtigsten Rohstoffe Holz und Eisen die Bedürfnisse der Bauern und der Haushalte befriedigen. Warum sollte ein Bauer seine Pferde zum Beschlagen nach Calbe bringen, wenn er das vor seiner Haustür von Schmiedemeister Heinrich Becker schnell und mindestens genauso gut erledigen lassen konnte. Auch die gängigen Geräte wie Pflüge, Eggen, Sicheln, Sensen, Hacken, Dreschflegel, Pferdewagen usw. konnten von den ortsansässigen Handwerkern nicht nur repariert, sondern auch hergestellt werden.

Die Handwerker arbeiteten zwar vorrangig für den örtlichen, aber natürlich auch für den regionalen Bedarf.

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Der Bergbau um Zens

 

Am 20. Mai 1879 entlud sich ein schweres Gewitter im Gebiet zwischen Großmühlingen und Calbe. Die Grube Pauline, Teil der Consolidierten Vereinigung bzw. der Grube Vereinigung, an der Schlöte wurde durch die hereinbrechenden Wassermassen einer Wasserhose, die durch zwei Brüche in die Grube gelangten, unter Wasser gesetzt. Dazu ist ein Bericht des Bergmannes Wilhelm Gottfried Schäfer überliefert. Nach Arbeitsschluss wollte er vom Schacht aus nach Hause laufen. Üblicherweise musste er seine persönlichen Werkzeuge mitnehmen. Neben einer Öllampe hatte der Bergmann das sogenannte Gezähe bestehend aus Keilhaue (eine Radehacke), Schippe und Beil. Wasserdichte Stiefel und eine hinten getragene Lederschürze (das „Arschleder“) waren oft die einzige Schutzbekleidung. Wilhelm Schäfer hatte also keine Lust, das Werkzeug erst nach Hause und dann am nächsten Tag wieder zum Bergwerk zu schleppen. Also suchte er sich einen Busch am Schlötegraben und versteckte dort sein Werkzeug. Als er am nächsten Tag nach dem Unwetter zurückkam, war an der Stelle, wo er sein Werkzeug abgelegt hatte, ein mit Wasser gefülltes Loch.

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Die Jagd

 

Dass der Umgang mit Waffen sehr gefährlich sein kann, zeigte ein tragisches Ereignis am 24. Dezember 1872. Der Gutsbesitzer Johann Heinrich Christian Diesing war auf dem Anstand, um noch einige Hasen zum Festbraten zu schießen. Ob ihm dies gelang, ist unbekannt. Auf dem Heimweg fiel er unglücklich, wobei die noch geladene Flinte, deren Hahn jedenfalls nicht in Ruhe gesetzt war, sich entlud und der Schuß seinen Oberschenkel durchschlug. Auf seine Hilferufe eilte ein des Weges kommender Mann zu ihm und trug ihn nach Hause. Dort verschied er bald. Der so unerwartet und qualvoll Verstorbene hinterließ seine Frau und sechs Kinder.

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Band 2 der Chronik der Gemeinde Zens für den Zeitraum 1801-1900

„Zeit der Reife“

 

kann für eine Schutzgebühr von €10,- über die Heimatfreunde Zicken Zens e.V. bezogen werden.

78 Seiten, gebunden, viele Farbbilder

€ 3,- Versandkosten, beim Versenden ins Ausland Versandgebühren vorher erfragen

 

Erhältlich ist die Chronik auch direkt zu jeder Vereinsversammlung welche jeden Monat im Vereinszimmer stattfindet. Unsere Vereinsvorsitzenden Kerstin und Kerstin können diesbezüglich gern telefonisch angesprochen werden. Die Telefonnummern finden sie unter "Kontakte"