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Einzigartig - oder etwa nicht?

17.06.2020

Die Gemeinde Bördeland ist unvergleichlich, aber die Namen ihrer Ortsteile, die kommen noch an anderen Stellen vor

Wandertouren durch die Berge, Weingüter oder ein Künstler, der sich in seiner Arbeit auf Goya spezialisierte – das alles hört sich kaum so an, als habe es etwas mit dem Bördeland zu tun. Doch der Eindruck täuscht.

Von Kaya Krahn

 

Bördeland l Biere – ein Ortsteil der Gemeinde Bördeland und mit seinem Namen generell bereits besonders. Auch wenn er nicht von dem Lieblingsgetränk vieler Menschen abgeleitet ist. So einzigartig wie der Name scheint, auch in der Schweiz gibt es eine Gemeinde mit dem Namen Bière: Sie liegt am Fuß des Jura-Gebirges, auf etwa 700 Metern Höhe, in dem Distrikt Morges im Kanton Waadt.

Bière hat etwa 1 600 Einwohner und liegt am Fluss Aubonne. Wie auch Biere waren die Bewohner hier lange auf Landwirtschaft spezialisiert. Der Boden dürfte zwar nicht so fruchtbar gewesen sein wie der in der Börde, aber dennoch recht ertragreich. Die Höhe des Dorfes verschaffte den Bewohnern aber einen Vorteil: Sie konnten Viehzucht auf den Höhen betreiben.

Klingt gleich, hat aber einen anderen Ursprung

Interessant ist, dass die Namen der beiden Orte, wenn sie auch gleich klingen, einen unterschiedlichen Ursprung haben. „Der Ursprung des Wortes ‚Bière‘ hat je nach Quelle zwei verschiedene Wurzeln. Zuerst gibt es ‚beria‘, das bedeutet Plateau. Wir finden auch das Wort ‚Biber‘, das als ‚trinken‘ übersetzt werden kann. Die beiden Wurzeln sind heute akzeptiert“, heißt es auf der offiziellen Website der Gemeinde. Der Ursprung in Bördeland ist ein anderer: „Die älteren Belege der Siedlungsbezeichnung enthalten seit 937 häufig den Buchstaben g zwischen i und e“, erklärt Jörn Weinert, Professor für ältere deutsche Literatur. Er beschäftigt sich mit regionaler Sprachgeschichte und kann einiges zu den Ortsnamen in der Region sagen. „In den Urkunden kann man also Formen wie ‚Bigera‘ und ‚Bigere‘ finden. Damit erscheint es möglich, ein germanisches ‚Begira‘ zu erschließen, das die Bedeutung ‚sumpfige Stelle‘ haben könnte“, erläutert er. Dies würde wohl gut zu der Pferdeschwemme im Ort passen, die früher sicher größer und sumpfiger gewesen sei. Er betont aber auch: „Allerdings wird diese Namensdeutung unsicher bleiben müssen.“

Doch Biere ist nicht der einzige Ortsteil der Gemeinde, der Namensvettern im deutschsprachigen Raum hat: Eggersdorf hat sogar drei Namens-partner – zwei in Deutschland und einen in Österreich.

Eggersdorf gibt es gleich dreimal

So gibt es in Brandenburg Petershagen-Eggersdorf, wo knapp 15 200 Einwohner leben. Der Ortsteil Eggersdorf liegt direkt am Bötzsee – vier Kilometer erstreckt er sich dort. Auf ihrer Internetseite wird die Gemeinde als „die grüne Gemeinde vor den Toren Berlins“ bezeichnet.

Es gibt in Brandenburg noch ein zweites Eggersdorf: Eggersdorf/Münchenberg. Heute ist es ein Ortsteil von Münchenberg. Die Namenshäufung in der Region ist auffällig.

Dafür kämen zwei Möglichkeiten infrage, berichtet der Sprachwissenschaftler Weinert. „Darin ist der deutsche Personenname Eckehard enthalten.“ So hergeleitet bedeutet Eggersdorf erst einmal das Dorf des Eckehards. „Das ‚Dorf des Eckehards‘ ist zum Beispiel 1205 als „Ekkehardsdorp‘ bezeugt. Nachweise im ältesten erhaltenen Lehnbuch der Grafschaft Barby zeigen 1494 diese Form bereits verkürzt zu ‚Eggerstorff‘“, berichtet der Wissenschaftler. Angesichts der Häufung des Namens Eckhard, der bis heute in der Region wichtig sei, wäre es möglich, dass auch andere Siedlungen nach diesem Namen benannt wurden. Es sei auch möglich, dass andere Neugründungen namens Eggersdorf östlich der Elbe von Siedlern angelegt worden seien, „die aus unserem Eggersdorf stammten“.

Doch der Name ist nicht ausschließlich hier zu finden, auch in Österreich gibt es ein Eggersdorf bei Graz. Es liegt in der Steiermark und, wie der Name schon sagt, bei Graz. Dort leben etwa 6 700 Einwohner. Dort ist Eggersdorf nicht ein Ortsteil einer Gemeinde, sondern umfasst als Gemeindegebiet noch acht weitere Dörfer. Der Ort geht auf eine römische Siedlung zurück, das belegen Funde aus der Zeit.

Die Schützenvereine aus den Orten Eggersdorf bei Graz und Eggersdorf im Bördeland stehen in Kontakt: Sie verbindet seit Jahren eine Vereinspatenschaft.

Auch Eickendorf bleibt nicht alleine – ganz in der Nähe gibt es den Ortsnamen noch einmal: In der Börde gibt es ein weiteres Eickendorf bei Oebisfelde-Weferlingen. Besonders die Kriegerdenkmäler für Gefallene im Ersten und Zweiten Weltkrieg sind bekannt.

Weingüter und der Künstler Herwig Zens

Aber nicht nur die „größeren“ Ortsteile haben Gleichgesinnte – auch Zens, das kleinste der Bördedörfer, taucht namentlich woanders auf. Es gibt zwei Weingüter, die den Namen tragen: das Weingut Zens an der Mosel und eines in Österreich in Mailberg. Beide haben ihren Namen aber nicht auf Grund ihrer Herkunft aus Börde- land.

Es gibt zudem einen Künstler mit dem Namen Zens: Herwig Zens war ein österreichischer Maler und Kunstpäda-goge. Er setzte sich in seinen Werken intensiv mit dem Tod auseinander und arbeitete lange über die Werke von Francisco de Goya. Für seine Tätigkeiten erhielt er über die Jahre viele Auszeichnungen, etwa den Fügerpreis, den er 1965 bekam. Herwig Zens starb im September vergangenen Jahres.

 

Foto: So sieht es in der Umgebung von Bière in der Schweiz im Kanton Waadt aus. Foto: Anthony Anex/Keystone/dpa