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Schnelles Internet gerät ins Stocken

28.02.2020

Telekom und MDDSL übernehmen Ausbau in Bördeland / Auf Nachfrage der Anwohner angewiesen

 

Der Breitbandausbau in Bördeland kommt immer wieder ins Stocken. Einer der Gründe sei laut Anbieter und Verwaltung das fehlende Interesse der Bürger. Infoveranstaltungen sollen über den Ausbau

informieren.

Von Julia Puder

 

Bördeland l 33 Millionen Euro will der Salzlandkreis in den Ausbau des Breitbandnetzes investieren. Landrat Markus Bauer (SPD) will dadurch „gleichwertige Lebensverhältnisse im ländlichen Raum“ schaffen. Jeder unterversorgte Haushalt soll dann über eine Bandbreite von mindestens 50 MBit/s verfügen. Für große Teile der Gemeinde Bördeland ist dieser Ausbau bislang noch Zukunftsmusik.

Gemeindebürgermeister Bernd Nimmich (SPD) erklärt warum: „In der Gemeinde haben wir einen geförderten und einen ungeförderten Bereich. Das heißt, in Welsleben und Eickendorf werden wir finanziell vom Landkreis unterstützt, in den restlichen Ortsteilen muss der Anbieter den Ausbau eigenwirtschaftlich vornehmen.“

Das Problem: Bislang bekunden zu wenige Bürger Interesse an einem Breitbandausbau. Dadurch könne der Anbieter nicht profitabel arbeiten.

Zum Hintergrund der Aufteilung: 2011 gab es eine Untersuchung der Internet-Grundversorgung in Bördeland. Vier Ortsteile, darunter Biere, Großmühlingen, Kleinmühlingen und Eggersdorf, waren mit einer Bandbreite von weniger als zwei MBit/s unterversorgt. Zens war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erschlossen.

Daraufhin wurden Fördermittel beantragt, die vom Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung und Forsten (ALFF) genehmigt wurden. Die Firma MDDSL GmbH aus Barleben hat den Zuschlag für den Ausbau der Grundversorgung bekommen.

In Welsleben und Eickendorf war die Grundversorgung hingegen bereits gegeben, wodurch sie damals nicht berücksichtigt werden mussten.

2017 erhielt der Salzlandkreis finanzielle Mittel vom Land für den Breitbandausbau. Da die fünf Ortsteile von MDDSL jedoch bereits mit einer Förderung bedacht waren und für sieben Jahre an diese gebunden sind, wurden sie bei der neuen Maßnahme nicht berücksichtigt.

MDDSL müsste den Ausbau folglich in eigenwirtschaftlicher Initiative übernehmen. Dabei seien sie abhängig von der unverbindlichen Interessensbekundung der Anwohner. „Das größte Problem ist, dass viele Interessenten bezüglich des unverbindlichen Vorvertrages Bedenken haben“, erklärt Christian Daul, Kundenbetreuer bei MDDSL. Er habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Bürger nicht an einen „Knebelvertrag“ binden wollen. Er könne aber nur immer wieder betonen, dass die Interessensbekundung unverbindlich sei.

Auch Bürgermeister Bernd Nimmich möchte an die Bürger appellieren: „Umso mehr Bürger sich anmelden, umso grünster wird der Ausbau. Wenn kein Interesse bekundet wird, können manche Teile des Ortes nicht berücksichtigt werden.“ Er sehe den Vorteil des Breitbandausbaus vor allem in seiner Nachhaltigkeit. „Man sollte zukunftsorientiert denken. Wir schaffen damit die Grundlagen für zukünftige Generationen“, sagt Nimmich. Außerdem werte man damit das eigene Grundstück auf, betont Bauamtsleiter Ronald Funke. Es sei laut Nimmich „ein Schritt in die Zukunft“.

Was in Eggersdorf und Co. stockt, geht mittlerweile in Welsleben und Eickendorf voran. Dort agiert die Telekom im Auftrag des Landkreises. „Für Eickendorf wurden die erforderlichen Genehmigungen eingeholt. Jetzt im März soll gebaut werden“, teilte Kreissprecher Marko Jeschor der Volksstimme mit. Für Welsleben gäbe es zwar noch keine Genehmigung, man nehme aber an, dass auch dort die Fertigstellung bis zum 30. November 2020 erfolgt.

Dort erfolgt ein sogenannter FTTC-Ausbau. „Die Glasfaserkabel werden bis zum Kabelverzweiger geführt. Die Verteilerschränke werden ertüchtigt und die vorhandenen Kupferkabel bis zum Kunden weiter genutzt“, erklärt Jeschor den Ausbau.

In den Gebieten, die durch MDDSL betreut werden, werden die Glasfaserkabel direkt bis zum Kunden verlegt. Dadurch seien Übertragungsraten bis 100 MBit/s möglich. Durch die fehlende Förderung entstehen hierbei aber Baukosten für den Verbraucher. „Die 600 Euro für den Anschluss können bei uns einmalig oder in einer Ratenzahlung beglichen werden“, erklärt Christian Daul. In beiden Fällen müssen die Anwohner neue Verträge mit den Anbietern abschließen, um die neuen Leitungen nutzen zu können.

Die MDDSL wolle jetzt erstmal weiterhin unverbindliche Vorbestellungen einsammeln, erklärt Christian Daul. „In den Teilen der Orte, in denen die Nachfrage besonders hoch ist, gehen wir bereits in die Bauplanung“, so Daul. Dadurch können man bereits in der Akquisephase die ersten Anschlüssen bauen.

In Eggersdorf fand dazu bereits eine Informationsveranstaltung mit Vertretern der Gemeinde, Ortsbürgermeisterin Rosemarie Ziem und dem Geschäftsführer der MDDSL GmbH, Andreas Riedel, statt. Eine ähnliche Veranstaltung soll demnächst in Biere stattfinden. Die Anträge für die unverbindliche Anmeldung sind auf den Internetseiten der Gemeinde und der MDDSL GmbH zu finden

 

PS.: Hauptsache man verschläft die Gespräche mit Zens zu führen nicht. Denn bei der Auftaktveranstaltung, zum Verlegen von Glasfaserleitungen in Kleinmühlingen, hat MDDSL von Zens nichts erwähnt. Anscheinend ist das Interesse wegen der geringen Anzahl von Anschlüssen, nicht vorhanden.

Eigentlich schade, denn die Wertsteigerung der Grundstücke, ist nicht außer acht zu lassen.

 

Foto: Ein Bündel bunter Glasfaserleitungen kommt in die Erde und macht schnelles Internet möglich. Foto: dpa